Abendfüllendes Streitgespräch

Blaulicht flackert, Rufe hallen, Helikopter dröhnen. Was im Saal der Begegnungsstätte (Begu) Lemwerder tobt, ist nicht die Entscheidungsdemo um Stuttgart 21. Es ist die martialische Klangkulisse einer Scheidungsschlacht. Unter dem Titel „Küss langsam“ bringen die Hamburger Schauspieler Jennifer und Michael Ehnert den Rosenkrieg eines fiktiven Schauspielerpaares gleichen Namens als lautstarkes Kammerspiel mit einem von Sound- und Lichteffekten begleiteten Schuss Actionkrimi auf die Bühne, das am Ende mit anhaltendem Applaus belohnt wird.

Kampfplatz ist der Flur des Amtsgerichts. Die Zeit bis zum Aufruf beim Scheidungsrichter nutzt das Paar, um sich zu erinnern und zu erzählen, wie es sich bei Dreharbeiten zu einer Action-Serie kennen und lieben lernte. Unglücklicherweise war die Serie so schlecht, dass sie nie gesendet wurde. Die Episode, in der sich die smarte Journalistin und der machohafte Polizist vom Sondereinsatzkommando endlich kriegen sollten, wurde gar nicht erst gedreht. Im wirklichen Leben hat das fiktive Paar allerdings geheiratet. Ohne Drehbuch läuft es allerdings weder beruflich noch im Bett. Was bleibt, ist Beziehungsalltag und ein Kampf mit allen Mitteln.
Genüsslich lassen Jennifer und Michael Ehnert das Publikum daran teilhaben, wie sie in zwischenmenschliche Abgründe vordringen und zwischen eskalierenden Beleidigungstiraden und Rückbesinnung an vergangene Sinnlichkeit wechseln. Sie sezieren eine Privatsphäre von Schmetterlingen im Bauch über Hormonschwankungen bis zu Penisneid und zwanghafter Mülltrennung. Ebenso gekonnt schlüpfen sie von jetzt auf gleich in ihre Serienrollen, in denen sie immer wieder in gefährliche Situationen geraten, den Verfolgern entkommen und fast nebenbei einen Bauskandal ungeheuren Ausmaßes aufdecken, der endlich mal erklärt, warum Elbphilharmonie, Berliner Flughafen und Stuttgart 21 so teuer werden mussten und das Atommüllendlager in Gorleben nicht mehr gebraucht wird.
Das Publikum verarbeitet die Aufführung unterschiedlich. Wer in den vorderen Reihen sitzt, wird von Anfang an ins Geschehen einbezogen. Weiter hinten ist jemand kurz vorm Lachkollaps.
Dass das abendfüllende Streitgespräch nervenaufreibend ist, ist keine Frage. Und doch kann Ehnert vs. Ehnert überzeugen. Ihr überaus dramatischer Mix aus Beziehungsratgeber und Action, spannender Unterhaltung, gelegentlicher Schenkelklopfer-Humor und tiefgründiger Satire fühlt sich an wie ein neues Bühnen-Genre, mit dem sich das Gros des Publikums gut unterhalten fühlt.
Georg Jauken

Verbales Gemetzel mit Happy-End

 
Die Schlange der Scheidungswilligen vorm Sitzungsaal des Landgerichts scheint unendlich lang. Aber Jennifer und Michael  streiten sich so gewaltig, dass sie in ihren Atempausen die Wartenden bitten, vorgelassen zu werden.
 
Die Schauspieler Jennifer und Michael, gespielt vom Schauspieler-Ehepaar Jennifer und Michael Ehnert, haben sich vor drei Jahren bei Dreharbeiten zur Krimi-Soap-Opera „Küss langsam!“ kennen und lieben gelernt. Aber ihre Ehe hält nur drei Jahre. Jetzt metzeln sie sich in einem verbalen Psycho-Krieg nieder. Ironische Pointe des Genre-Crossover aus Boulevard-Kömödie, Kabarett, Pantomime, Satire und Volkstheater: Und am Schluss kriegen sie sich, sehr zum Vergnügen des Publikums, doch! Da hat Autor Michael Ehnert noch schnell die Volte geschafft, sozusagen den doppelten Ehnert.
 
Bühnenbild und Requisiten, überflüssig! Ehnerts Stück lebt vom Wort. Nun könnte man eigentlich vermuten, dass nach Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, Albees „Virgina Woolfe“ und Bergmanns „Szenen einer Ehe“ das Repertoire der verbalen Tiefstschläge ausgereizt sei. Aber nein, hier wird weiter gekeilt. Die meisten Demütigungsattacken werden subtil gesetzt, sie zünden mit Nachbrenner und wirken dadurch wie ein Mehrfachsprengkopf, der Gefühl und Geist, Identität und Würde gleichzeitig auslöscht. Die Frau begründet die „Entbehrlichkeit des Mannes für die Menschheit“ mit seiner Natur. Er sei eine „planmäßige Missbildung, die schon nach acht Wochen im embryonalen Stadium“ beginne. „Und ich Vollidiot habe für die eine Rippe gespendet!“ ächzt der angeblich Missgebildete, nachdem ihm seine Frau süffisant attestiert hat: „Das einzige, was du in der Hose hast, sind Bügelfalten!“ So keilen sie sich bis zum Jüngsten Tag, wenn nicht besagtes Happy End dem Ganzen ein Ende setzte. Aufgelockert wird der Grobkrieg der „zukünftigen Ex-Gatten“ durch verbalen Spitzentanz, wo sie sich (zum Beispiel) wegen der Auslegung jenes feinsinnigen kleinen Unterschieds der Worte „nicht selten“ und „oft“ in die Plünnen kriegen.
 
Sehr amüsant, nicht zuletzt wegen des hohen Wiedererkennungswertes typisch männlicher und weiblicher Phrasen, die, mehr oder weniger zugegeben, ein jeder und eine jede im Verbalwaffen-Repertoire hat. Dieses Stück wär doch mal was in der Paartherapie, die statt des ewigen akzeptierenden Zuhörens und des nervenden therapeutischen „Hmm“ mit „Küss langsam!“ so richtig aufgepeppt werden würde! Oder bei Traugesprächen! Oder zur Silberhochzeitsfeier! Ach Quatsch, blödsinnige Ideen aus typisch männlicher Hirnleere!
Ehnerts Fazit der zwei Lehrstunden: „Wer Schmetterlinge im Bauch haben will, muss auch mal eine Raupe schlucken!“

Aus Love-Story wurde Krieg der Welten

Für einen knallharten Action-Schinken braucht man keine große Leinwand. Es genügen zwei – gute! – Schauspieler. Das reicht, um das Kino im Kopf der Besucher so in Schwung zu bringen, dass sie mitgerissen sind, von der Action-Komödie „Küss langsam“, die hier über die Bühne geht. Wenn sich Jennifer und Michael Ehnert im Amtsgericht beim Warten auf den Scheidungsrichter vorstellen, wie die Action-Serie hätte weitergehen können, bei deren Dreharbeiten sich zwei Schauspieler drei Jahre zuvor auf den ersten Blick ineinander verliebt haben. Hochdramatisch und lebensbedrohlich geht es da zu, wenn der „Bulle“ der Journalistin hilft, an hochbrisante Unterlagen zu einem Skandal zu kommen, in den es gleichermaßen um die Atom-, Bestechungs- und Bauthematik geht.
 
Andererseits ist das Stück aus der Feder von Michael Ehnert, der auch schon für das Kom(m)ödchen und die Lach- und Schießgesellschaft geschrieben hat und für seine kabarettistischen Leistungen ausgezeichnet wurde, durchaus zum Lachen. Es geht um den Wahnsinn im Verhältnis der Geschlechter, der heute noch frisch und heiß verliebte Paare regelmäßig vor den Scheidungsrichter führt.
 Die Kommunikationsprobleme werden vorgeführt, die Aggressionen, die man gegenseitig auslöst, die enttäuschten Erwartungen und Angst, die Erwartungen des anderen zu enttäuschen, sowie die vergeblichen Versuche, die Befindlichkeiten des anderen irgendwie unauffällig in den Griff zu bekommen. Und das Material, das die Journalistin zufällig zum Verhältnis der Geschlechter birgt, ist noch wesentlich brisanter als das zum Bau- und Atomskandal.
 Da lachen die Tönisvorster sogar Tränen. Auch an Stellen wie der, an der „sie“ sauer ist, wenn „er“, die für „Spielchen“ gekauften, schwarzen Latexhandschuhe beim Wischen des Schlafzimmerbodens nutzt. Ihr Lachen klingt nicht so, als ob sie das alles nicht kennen würden. Sie lachten auch, um Distanz zu bekommen...

Susanne Böhling
 
 
 

Amüsanter Geschlechterkampf mit Michael und Jennifer Ehnert

Sie beschimpft ihn als „Mülltrennungs-Hitler“. Er bezeichnet es als effektivste Mülltrennung, wenn er sich von ihr scheiden lässt. Genau an diesem Punkt sind Michael und Jennifer Ehnert, die sich selbst spielen, nach drei Jahren Beziehung angekommen. Nun sitzen sie im Wartezimmer des Scheidungsrichters und betteln das Publikum an, vorgelassen zu werden. Die Wartezeit ist allerdings lang, und das trennungswillige Paar gewährt den Besuchern der Oldenburger Kulturetage Einblicke in die Hintergründe ihrer Geschichte. Man wird Zeuge eines höchst amüsanten Geschlechterkampfes.
Da Kommunikation zwischen Mann und Frau immer wieder zu Missverständnissen führt, ist er der Meinung, man sollte am besten sämtliche Gespräche aus einer Beziehung raushalten. Sex reiche vollkommen aus. Sie kontert: „Einer Studie zufolge gehört alles, was 24 Stunden vor dem Geschlechtsakt gesprochen wird, bei einer Frau zum Vorspiel.“
Kabarettist Michael Ehnert gehört nicht zu diesen Komikern von der Stange, die austauschbar als Dutzendware in Lustig-Fernsehsendungen verheizt werden. Er strahlt ein eigenes Profil mit hohem Wiedererkennungswert aus. Hellwach, hintergründig und voller Präsenz. Seine Frau Jennifer gibt eine nicht minder gute Figur ab. Und das nicht nur bezogen auf ihren zweiten Beruf als Model. Auch wenn ihr Mann die prägnantere Gesichtsmimik hat, spielt sie überzeugend kratzbürstig. Es ist wohl ein Vorteil, dass die beiden im wahren Leben ein Paar sind. Die Chemie stimmt. Es knistert und schlägt Funken im Trennungskampf. Sie sind sich in ihren Gemeinheiten ebenbürtig.
In clever verwobenen Rückblenden zeigen sie, wie sie sich bei den Dreharbeiten zum fiktiven Film „Küss langsam“ kennenlernen. Filmgeschehen und Alltag vermischen sich immer mehr, bis den beiden ein ungeheuerlicher Verdacht kommt: Paartherapeuten haben ein Interesse, den Geschlechterkampf aufrechtzuerhalten. Er bringt schließlich Geld ein. Tempo- und geistreich erweist sich der aufgeführte Ehekrieg als kleiner Geniestreich voller witziger Einfälle. Der Applaus ist absolut verdient.

NWZ-online

Prickelndes Scheidungsspektakel mit Happy End

Michael und Jennifer Ehnert liefern in "Küss langsam" in der Kulturhalle ein gefeiertes Beziehungsdrama.
Die Kurzfassung stammt von Loriot und lautet schlicht, dass Männer und Frauen sich halt einfach nicht verstehen. Wie sehr sie einander missverstehen können und dennoch nicht voneinander loskommen, demonstrierten Michael und Jennifer Ehnert in ihrem bundesweit gefeierten Beziehungsdrama "Küss langsam" jetzt auch in der seit Juni ausverkauften Kulturhalle in Dormagen. Gut zwei Stunden lang lieferten sie sich in dem Scheidungsspektakel "Ehnert vs. Ehnert" einen sehens- und hörenswerten Kampf – der mit allen Mitteln ober- und unterhalb der Gürtellinie ausgetragen wird. Die Handlung beginnt im Wartezimmer eines Amtsgerichts, wo Ehen am Fließband geschieden werden.
 
Die beiden Protagonisten treffen nach Monaten aufeinander und erinnern sich, wie alles begann: Beim Casting für die aus Bruce Willis und romantischeren Elementen zusammengebraute TV-Serie "Küss langsam" gibt er den ultracoolen SEK-Mann und sie die nicht minder abgezockte Journalistin, was wohl seinen Teil dazu beiträgt, dass es zwischen ihnen funkt. Die Serie kommt nicht über die erste Folge hinaus, die beiden Hauptdarsteller bringen es auf immerhin drei Ehejahre. Wobei von der beiderseitigen Coolness allerdings nicht viel mehr übrig geblieben ist als illusionsloser Zynismus. Bietet er das gesammelte Macho-Repertoire auf, das sich gegen Frauen so ins Feld führen lässt, bleibt sie ihm nicht das geringste schuldig. Der zeitweilige Kompromiss zwischen den beiden, wonach es zwischen Mann und Frau nun einmal "konträre objektive Wahrheiten" geben könne, hält nicht lange und es kracht wieder richtig.
 
Mit der knochentrockenen Feststellung, dass "Gespräche aus der Mann/Frau-Beziehung herausgehalten werden sollten", gießt er natürlich ebenso Öl ins Feuer wie mit dem von ihm ultimativ erkannten Scheidungsgrund: "Männer denken, bevor sie reden, Frauen beginnen erst während des Redens zu denken." Schwere Gegenattacken sind die Folge, aber auch Treffer, bei denen es ihm die Antwort schlichtweg verschlägt, hat sie im Angebot.
 
Wer sich derartige Gefechte liefern kann, hat sich noch viel zu sagen und so kriegen sich die beiden am Ende doch wieder. Das Zweipersonenstück ist ein würdiger Nachfolger von Richard Burtons und Elizabeth Taylors emotionalem Blutbad in dem Klassiker "Wer hat Angst vor Viriginia Woolf".
 
 
 

Anfang und Ende einer Ehe

Im gut besetzten Würzburger Bockshorn geht ein Rosenkrieg über die Bühne, der es von der ersten bis zur letzten der 130 Minuten in sich hat. Ein bisschen Geräusch, zwei Stühle, mehr brauchen die beiden nicht, um die Geschichte vom Anfang und Ende ihrer dreijährigen Ehe auf höchst boshafte Weise auszubreiten. Ausgangspunkt ist die erste Folge einer Fernsehserie namens „Küss langsam“, die nicht gesendet wird, weil sie auf einem hanebüchenen Drehbuch beruht, aber mit dem Bau der Hamburger Elbphilharmonie durch die Firma Hochtief einen durchaus realen Hintergrund hat. Er ist Polizist, sie Journalistin, die einen Wirtschaftsskandal aufdecken wollen, aber dem Glanz des Geldes nicht widerstehen. Zwischen den Handlungssträngen, dem Scheidungstermin und der TV-Folge, springen die beiden hin und her, mit schauspielerischem Engagement, das immer intensiver wird. Das wirklich wahre Eheleben wird mit Behauptungen, Zweifeln, Unterstellungen, Missverständnissen oder Lügen als immer heißer werdende Hölle dargestellt. Sie nennt ihn einen „Mülltrennungs-Hitler“, einen „hirnlosen, dauergeilen Deckhengst“ und fügt süffisant hinzu: „100 Prozent aller arroganten Arschgesichter sind Männer.“ Er fragt sie, ob etwa sein Penis zu klein sei und ob ihr Nein „Nein-Ja oder Nein-Nein“ bedeute. Natürlich wird darum gestritten, wer die Hosen anhat und ob das Wort „oft“ einen anderen Sinn hat als „nicht selten“. Als sie sich am Ende doch wieder etwas näherkommen, ruft sie der Scheidungsrichter auf: „Trennung mit Streit oder ohne?“ Die Frage bleibt unbeantwortet. Viel Beifall.
 
 

Sie schenkten sich nichts

Michael Ehnert und Jennifer Ehnert trugen ihren Beziehungskampf am Freitagabend vor ausverkauften Rängen aus. Das im wirklichen Leben glücklich verheiratete Paar mimt auf der Bühne ein Schauspielerehepaar, das sich bei den Dreharbeiten zur nie gesendeten Fernsehserie „Küss langsam“ kennen und lieben gelernt hat und nun, nach drei Jahren Ehe, vor der bitteren Wahrheit steht – dem Scheidungsrichter. Vor dem Termin wird noch einmal genüsslich auf dem Scherbenhaufen ihrer Beziehung herum getrampelt. Die beiden Rosenkrieger geizten nicht mit verbalen Attacken über und unter der Gürtellinie. Keine Problemzone wurde ausgelassen. Dem Publikum drohte so manches Mal das Lachen im Halse stecken zu bleiben, aber letztlich fand es dann doch immer den Weg nach draußen. Es machte einen Heidenspaß, den beiden beim Streiten zuzusehen. „Ich habe Tränen gelacht.“ „Ich bin Single und nach diesem Abend, weiß ich warum.“ Dieser Kampf war ein grandioser Sieg nach Punkten – für beide. Michael Ehnert und Jennifer Ehnert spielten ihre Rollen auf Augenhöhe. Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist bei vielen Kabarettisten beliebtes, immer wiederkehrendes Thema, aber die „Ehnerts“ haben ihres ganz eigenen GeschlechterkampfStil: spannend, urkomisch und mitunter verdammt nah an der Realität. Beim Warten auf den Scheidungsrichter spinnen die beiden das Drehbuch ihrer Fernsehserie weiter. Blaulicht, Schüsse, Hubschrauberrotoren. Während sie unter Dauerfeuer von Spezialeinheiten stehen, streiten sie sich, ob der Fluchtwagen auf einem Anwohnerparkplatz geparkt werden darf oder nicht. Die Pointen hagelten ebenso wie die Schüsse. „Hat man dir noch nie Handschellen angelegt? Doch schon, aber noch nie im Stehen.“ Penis-und Gehirngrößen-Vergleiche, die erbitterte Verteidigung des eigenen Standpunktes, kombiniert mit Erinnerungen an glückliche Tage und der Action schlechter Serien, bescherten dem Publikum einen grandiosen Unterhaltungsabend. „Küss langsam“ kam mit soviel Frische und Witz daher, dass die Zuschauer fast unter den Sitzen lagen vor lachen. Manchmal kann es so schön sein, dass Männer und Frauen so unterschiedlich sind.

Ein Rosenkrieg mit viel Action

Im Warteflur des Scheidungsanwaltes fliegen die Fetzen. Die Situation ähnelt einem Verkehrsunfall: Es ist furchtbar, und dennoch oder gerade deshalb wendet so gut wie niemand seinen Blick ab.
In ihrem Programm „Küss langsam“ treiben die Kabarettisten Jennifer und Michael Ehnert den Geschlechterk(r)ampf gekonnt auf die Spitze. Damit begeisterten sie an zwei Abenden die Gäste im Forum am Hohenzollernplatz.

Auf dem bereits erwähnten Flur trampelt das (Noch-) Ehepaar ohne Rücksicht auf Verluste auf dem Scherbenhaufen seiner Beziehung herum. Dabei entlädt sich alles, was sich im dreijährigen Ehe-Frust angestaut hat. Sie streiten, keifen, spielen mit Stereotypen und Klischees – lassen kein Vorurteil aus. Ihre emotionale Achterbahnfahrt gleicht einer langen, zum Weinen komischen Strophe im ewigen Lied der Ehe. Der Einsatz von Rollenbildern im Wartesaal der Gescheiterten zeigt Wirkung: Das Publikum reagiert direkt, erkennt so manche Situation leidvoll wieder.
 
Aufgebaut ist das Stück als Beziehungs-Actionkomödie: Immer wieder wechseln die zwei zu Spielszenen mit komödiantischem Talent und guter Schauspielkunst. Diese Mischung aus Kino, Theater und Kabarett bringt Tempo auf die Bühne – und erklärt, wie es zum Rosenkrieg kommen konnte. Es ist wie beim Abend mit Freunden: Ach was sind wir froh, dass nur die anderen nicht miteinander auskommen.
 
Im wahren Leben sind Jennifer und Michael Ehnert übrigens glücklich verheiratet. „Zu Hause spielen wir das Programm mit abgewandeltem Text“, lässt sie uns am Ende wissen.

Küss langsam!

Noch nie haben wir einem Pärchen so gerne beim Streiten zugesehen, wie bei der Beziehungs-Action-Komödie "Küss langsam" im Schmidt-Theater! Was Michael und Jennifer Ehnert, die auch im wahren Leben verheiratet sind, am Mittwochabend ablieferten, war ganz großes Kino! Und dafür waren keine Requisiten und Kostümwechsel nötig, sondern gute Schauspielkunst gepaart mit ihrem komödiantischen Talent. Das Stück beginnt im Warteflur ihres Scheidungsanwaltes und endet mit einem Kuss. Dazwischen wird sich alles an den Kopf geworfen, was sich Mann und Frau nur an den Kopf werfen können: Es geht um die beste Freundin, Urlaubsziele, Penislängen und Nasenhaare - dennoch wird es nie platt. "Wir spielen das Stück auch zu Hause mit abgewandelten Text", scherzt Jennifer Ehnert am Schluss vor stehenden Gästen. Ihr Gatte ergänzt: "Aber mit Publikum macht es doch wesentlich mehr Spaß." Fazit: Ein Ehekrieg, der auch nach zwei Stunden nicht nervt. Fünf Sterne!

Keifen kann auch komisch sein

Ach, was wären sie doch für ein Traumpaar. Noch dazu im Wonnemonat Mai. Drei Jahre lang hat ihre Ehe gehalten. Nun stehen sie vor den Scherben ihrer Beziehung und überbrücken die zwei Stunden Wartezeit vor „Erledigung ihrer Familienangelegenheit“, sprich Scheidung, mit dem was geblieben ist: Streiten, Keifen, sich uneins sein. Ach, wie ist das schön und manchem wohl so gar nicht fremd, wie die Reaktionen des Publikums zeigten.
Neu ist die Thematik „Mann und Frau prallen aufeinander, haben unterschiedliche Wahrnehmungen und passen irgendwie nicht zusammen“ beileibe nicht. Deshalb liegt die Messlatte hoch, als Jennifer und Michael Ehnert dies auf die Bühne bringen – unterhaltsam und neu erzählt. „Ehnert vs. Ehnert“ sind im wahren Leben glücklich verheiratet und haben einen eigenen, überraschenden Weg gefunden: Sie hätten sich beim Dreh zu „Küss langsam“ kennengelernt, lassen sie ihr Publikum wissen. Er spielte den „toughen Bullen“ und sie die smarte Journalistin. Im „echten Leben“ erkennen sie, was aus ihren Rollen geworden ist: Der toughe Bulle ist mittlerweile so aufregend wie ein Verkehrspolizist und zum „Mülltrennungs-Hitler“ mit Nasenzopf mutiert. Sie tituliert ihn einen „dauergeilen Deckhengst“ mit Hang zum „langweiligen Autisten-Kamasutra-Sex“.
Ihn hingegen nervt sie mit permanenter Besserwisserei, sie zickt und ist in den Augen ihres Mannes eine „verspannte Krampfader“. Damit er einen Überblick über ihren Hormonhaushalt behält, gibt er ihr ihrem Zyklus entsprechende Decknamen: „Samantha“ für die samtige Schmusemaus, „Virginia“ für jungfräuliches Gehabe und „Palästina“, wenn sie hochexplosiv ist. Und damit glaubt er alles im Griff zu haben, bis er sich im Datum irrt und sie die Aufzeichnungen findet. Liebevolle Gesichtsausdrücke werden zum „treudoofen Geglotze“, als Zeichen, dass er wieder etwas kaputt gemacht hat. So sei das halt als Frau, die feines Gespür für Zwischentöne habe, wirft sie ihm vor. Er kontert, dass sie Gedanken fasse während sie redet, während er gerade umgekehrt verfahre.
Unterm Strich taugt alles Reden nicht: Ihre Beziehung ist weit vom Traumpaar-Dasein entfernt. Warum nicht dem Dilemma ein Ende bereiten und die Fernsehrolle weiterspielen? Sozusagen Angelina Jolie und Brad Pitt fokussiert. In vielen Sequenzen wechseln sie hin und her, spielen rasant und routiniert das actionreiche und versponnene Drehbuch zu „Küss langsam“ weiter und kehren immer wieder als das keifende, baldige Ex-Ehepaar vor die Tür des Scheidungsrichters zurück.
Und es ist nicht ohne, was sie sich an den Kopf werfen und das Publikum mit Lachen quittiert. Ob es der hohe Wiedererkennungswert ist? Das darf durchaus angenommen werden. Der langanhaltende Applaus am Ende ist verdient.

Finales Kräftemessen beim Anwalt

Ovationen des Publikums für eine tiefsinnig komisches und exzellent gespieltes Beziehungsdrama: Mit „Küss langsam“, geschrieben und auf der Bühne umgesetzt von Michael und Jennifer Ehnert, erlebte die Satirica 2011 im Capitol einen Höhepunkt, der nur schwer zu überbieten sein dürfte. Bei Dreharbeiten zu „Küss langsam“, Titel einer TV-Polizeiserie mit Love Story à la Hollywood, die dann doch nicht gesendet wurde, haben sich Michael als taffer Bulle und Jennifer als smarte Journalistin unter Lebensgefahr unsterblich verliebt, wie es das Drehbuch verlangte. Nach drei Ehejahren jedoch sitzt das damalige Schauspiel-Traumpaar im Wartezimmer des Scheidungsrichters, aber noch haben Mann und Frau nicht alle persönlichen Kämpfe ausgestanden. So gerät die Wartezeit bis zum Termin zu einem hinreißenden finalen Kräftemessen, bei dem die Kontrahenten sprachlich und darstellerisch auf höchstem Niveau mit und gegen einander streiten. Diese konzentriert geführte Auseinandersetzung ist mit ständig fließenden Übergängen zu mehreren Handlungsebenen inszeniert: die Gegenwart „zwischen all den anderen Frustrierten und Gescheiterten“, die Vergangenheit mit gespielten Filmszenen und den Geräusch- und Lichteffekten ihres „romantic Actionthrillers“, der Schlagabtausch an imaginären Computermonitoren mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Geschlechterverhalten. Das Ganze imaginär mit einem permanenten Augenzwinkern versehen: Jennifer und Michael Ehnert sind im wirklichen Leben glücklich verheiratet. Das müssen sie auch sein, wenn sie ihren Parforceritt über alle, in „Küss langsam“ formulierten und in aller spitzfindigen Deutlichkeit ausgesprochenen Hindernisse des ehelichen Alltags und sexueller Bedürfnisse heil und mit fröhlichen Gesichtern überstehen wollen wie die Theaterbesucher. Die groteske Bestellung beim Scheidungs-Drive-in von McDivorce bleibt erst einmal ein Scherz, und der kabarettsüchtige Zuschauer freut sich über den Happy-End-Kuss und hofft inständigst, dass dieses „Küss langsam“ eine Fortsetzung finden wird. Ehnert plus Ehnert ist mehr als nur doppeltes Vergnügen.

Paar-Schock-Therapie von Martin Wein

Mit unglaublichem Tempo hatten die beiden Schauspieler ganz ohne Kulisse oder Requisiten binnen Minuten die Aufmerksamkeit des Publikums für sich gewonnen. Wie Michael Ehnert in seinen Solo-Programmen tauchten sie auch gemeinsam ab in eine ersponnene Geschichte, diesmal um eine grell-kitschige Polizeiserie "Küss Langsam", bei deren Dreharbeiten man sich in die Arme gelaufen sei. Im gelungenen Kontrast zum klischeesatten Ermittlerduo taumelten die Ehnerts im Wartezimmer des Familiengerichts wortreich durch die unzähligen Stadien einer hormonsatten Partnerschaft. Mit ihrer vollprofessionellen, temporeichen Performance sorgten die Ehnerts für anhaltendes befreiendes Lachen.

Eine Beziehung am Abgrund

Eine Tour de Force in Sachen Geschlechterkampf bei der die Fetzen nur so fliegen. Hinter den Akteuren Ehnert vs. Ehnert, die sich das vielschichtige Match liefern, stecken die großartigen, einander ebenbürtigen Schauspieler Jennifer und Michael Ehnert, die auch "im wirklichen Leben" ein Paar sind. In zwei Stunden ist ihr Termin beim Scheidungsrichter - nach drei Ehejahren, in deren Verlauf die Liebe am Einerlei des Alltags zerbröselt ist. Die geschickt eingeflochtenen filmischen Elemente wie ohrenbetäubendes Kugelhagelgetöse und furiose Lichtgewitter bilden die zweite Ebene der Handlung. Der filmreife Kuss am Ende der mit Pointen, Fakten und Bühneneffekten gespickten, von Martin Blau präzise in Szene gesetzten Komödie täuscht nicht darüber hinweg, dass hier zwei am Abgrund stehen - worüber sich das Publikum ganz prächtig amüsiert.

Köstlich. Brillant. Großartig

Die Zeiten von "Chefmaus" und "Zauberhase" sind vorbei. "Dauergeiler Deckhengst" und "verspannte Krampfader" nennen sich Ehnert und Ehnert - nach dreijähriger Ehe sitzen sie in der Warteschlange zum Scheidungstermin. Vor den "anderen Frustrierten und Gescheiterten", dem Publikum im Altonaer Theater, lassen sie ihre Beziehung Revue passieren: "Küss langsam" ist der unterhaltsamste Paar-Kampf, den je ein Scheidungsrichter verpasste. Jennifer und Michael Ehnert spielen sich selbst: Ein Hamburger Schauspieler-Ehepaar, das keine Problemzone auslässt. Unterschiedlicher Auffassung sind beide etwa bei Existenziellem wie der der Entbehrlickeit des weiblichen Orgasmus und dem Spülen von Joghurtbechern vor deren Entsorgung. Einigkeit herrscht bei der Mülltrennung: Die beste Art sei die bevorstehende Trennung. Die Ehnerts im Selbstversuch: Jennifer lieferte brillante Ideen, Michael verfasste den großartigen Text. Die Szenen ihrer Ehe überließen sie Regisseur Martin M. Blau, den Soundtrack zum filmreifen Theater komponierte Jan-Peter Pflug. Mitten in der Schlammschlacht um Penis- und Gehirngrößen erinnern sich beide an einen Zustand in "Küss langsam", jener Actionserie, bei der sie sich kennenlernten. Von der ersten Begegnung geht immer noch eine magische Sogwirkung aus - Ähnliches passsiert dem Publikum an diesem Abend.

(Dagmar Ellen Fischer)

Weit und breit kein Beziehungs-GPS

Michael und Jennifer Ehnert zeigten am Samstagabend im Theaterstadel mit ihrem Programm „Küss langsam“, wie der knallharte Beziehungsalltag aussieht. Schonungslos und authentisch. Jennifer und Michael, die einst noch Jennael oder Michefer waren, stehen mittlerweile vor dem Scheidungsanwalt. Während sie warten, erzählen sie dem Publikum ihre Geschichte. Es war vor drei Jahren beim Dreh der Action-Komödie „Küss langsam“ und sie verliebten sich sofort ineinander. Er war „der Typ, der noch in der brenzligsten Situation Eiswürfel pisst“ und sie eine smarte Journalistin. Er spielte den Bullen, der den Überblick bewahrte und sie die attraktive und schlaue Einbrecherin. Heute ist er ein „Mülltrennungshitler“ und sie eine „gottverdammte, verspannte Zimtziege“. Da fragt man sich doch, was ist da passiert? Warum gibt es keine Gebrauchsanweisung für Männer und Frauen oder wenigstens ein Beziehungs-GPS? Ehnert vs. Ehnert bedienen typische Klischees über Männer und Frauen und zeigen, wie der Beziehungsalltag wirklich aussieht. Ein Kampfplatz, auf dem jeder seine Wahrheit verteidigt. Beziehung zwischen Männern und Frauen – wie oft wurde sie schon von Komikern und Kabarettisten auf die Schippe genommen. Die Eheleute Ehnert jedoch haben ihren ganz eigenen Stil über die Probleme zwischen den zwei Geschlechtern zu diskutieren und mitunter auch lautstark zu streiten. Spannend ist es auf jeden Fall. Die akustischen und visuellen Effekte bringen zusätzlichen Nervenkitzel und unterstreichen das schauspielerische Talent der beiden Komiker. Und am Schluss kommt er doch noch: Der heiß ersehnte und filmreife Kuss des Paares.

Ein Füllhorn an Ideen

Zugegeben, ein Risiko ist es schon, mit seiner eigenen Ehefrau eine kabarettistische Beziehungskomödie auf die Bühne zu bringen. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Gewonnen haben Michael und Jennifer Maria Ehnert durch ihr Spiel in ihrem Programm ‚Küss langsam’ allemal, denn mit ihren humorvollen Einfällen und ihrer raffinierten Schauspielkunst sicherten sie sich die Begeisterung gleich beiderlei Geschlechts im Pantheon. Mit seinem prägnanten Markenzeichen, Filmszenen für seine Bühnenshow zu adaptieren, sie weiterzuspinnen und für philosophische Betrachtungen zu nutzen, brilliert Michael Ehnert (Prix Pantheon Gewinner 1995 & 2005) mit einem ganz besondern Kabarett, das alles andere als langweilig ist. Und obwohl so manches Klischee von beiden beackert wird, fügen sie jedem alt diskutierten Stereotyp solch eine Prise Witz und Ironie bei, dass man sich des öfteren fragt, ob das Füllhorn an Ideen der zwei wohl unerschöpflich ist. Mühelos verwandelt sich Schauspielerin Jennifer Maria Ehnert, die auch privat Boxsport betreibt, auf der Flucht vor Polizisten in eine ‚kleine Kampfelfe’ und nicht nur das Plakat und der Titel ihrer rasanten Actionkomödie erinnern an den Hollywood-Blockbuster ‚Stirb langsam’ mit Bruce Willis. Einer emotionalen Achterbahn gleich mimen sie zunächst das intensiv verliebte Traumpaar, um im nächsten Moment bei ‚McDivorce’ die Scheidung einzureichen. Wie die Kesselflicker fallen sie übereinander her. Alles in allem: Die beiden boten großartige Unterhaltung. 1:0 für Ehnert.

Action-Kabarett als Rosenkrieg.

Blaulicht flackert, Rufe hallen, Helikopter-Rotoren dröhnen. Nein, hier tobt nicht die Entscheidungsdemo um Stuttgart 21 oder Brokdorf. Hier ist Markdorf. Genauer: Das martialische Spektakel findet auf der Bühne statt als Klangkulisse zum neuen Programm des Kabarettpaares Ehnert. Und das Publikum erlebt, wie sich ein ganz neues Bühnen-Genre anfühlt: das des Action-Kabaretts, bei dem die üblichen Dia- und Monologe mit Geräuschen angereichert werden, die die Zuschauer ansonsten nur aus dem Kino kennen. So heißt das Ehnert/Ehnert-Programm denn auch ‚Küss langsam’ – analog zum Schieß-drauf-Dauerbrenner aus Hollywood. Tatsächlich geht's mitunter munter zu. Wenn Sondereinsatz-Teams stürmen, wenn Kugeln fliegen und unser Helden-Pärchen bond-mäßig knapp das einzige Schlupfloch in der schier ausweglosen Situation entdecken. Was die Ehnerts dann auch regelmäßig ironisch brechen durch gemimte Zeitlupen-Effekte, durch Running-Gags à la ‚Tom und Jerry’. Der Hintergrund ist eine fiese Verschwörungsgeschichte: Finstre Restrisiko-Zocker wollen ihre Strahlen-Müll-Fässer, unter den heiligen Stätten der edlen Wutbürger vergraben, sprich Kopfbahnhof Stuttgart, sprich Elb-Philharmonie... und ausgerechnet Frau Ehnert kommt dahinter. In ihrer Rolle als multitasking-satte Nachwuchs-Journalistin, die in die Konzern-Zentrale von Hochtief einbricht, um dort brisante Hintergrund-Dossiers zu stibitzen, mit denen sie ihre Bewerbungs-Unterlagen für den ‚Spiegel’ auf-sexen möchte. Um das Chaos perfekt zu machen, kommt als Rahmenhandlung noch eine Beziehungskrise hinzu, sodass sich das Kabarett-Stück auch noch als Rosenkrieg darstellt. So witzig wie ‚Kramer gegen Kramer’ ist ‚Ehnert vs. Ehnert’ allemal. Und es fällt fast so spannend aus wie ‚Mr. und Mrs. Smith’.“